Die Jagd


Die Jagd ist ein Titel, der den Nichtsahnenden etwas ganz anderes vermuten lässt, als er letztendlich präsentiert bekommt. Es wird ein Thriller erwartet, eine Verfolgung, durchaus Actiongeladen, aber – der Hauptdarsteller ist hier ein Hinweis – nicht niveaulos, eben das, was man sich unter einem düsteren, dänischen Krimi vorstellt. In gewisser Weise trifft alles auch auf die tatsächliche Handlung zu, aber irgendwie doch ganz anders als erwartet.

Dieser Film setzt sich mit dem Thema der Pädophilie von einem neuen Blickpunkt auseinander. Lucas, ein freundlicher Kindergärtner und Teil der kleinen Gesellschaft des Dorfes, in dem der Film handelt, steht nach der Aussage eines kleinen Kindes unter Verdacht, dieses sexuell misshandelt zu haben. Der Regisseur zeigt sehr genau, wie Kinder ihr Handeln und dessen Konsequenzen nicht einschätzen können, möglicherweise zusammenhangslos Dinge erzählen, die sie irgendwo aufgeschnappt haben und dabei die Aussagen von den Eltern oftmals als unanzweifelbar wahrheitsgemäß angenommen werden. Irgendwo kann es den Eltern auch nicht verübelt werden, dass sie ihren Kindern glauben, denn es stellt sich sehr berechtigt die Frage, warum es so etwas erfinden sollte. Als problematisch lässt sich aber beobachten, wie verantwortungslos mit solch loser Informationen eines Kindes umgegangen wird. Beim Elternabend im Kindergarten wird es angesprochen, bevor überhaupt jegliche Nachforschungen angestellt wurden. Ohne darüber nachzudenken, wie stark und folgenträchtig solche Anschuldigungen sind, wird das Leben eines Menschen unrechtmäßig und schlagartig verändert. Die grundlegende Unschuldsvermutung bleibt unbeachtet und Lucas wird von der Gesellschaft des kleinen Dorfes verurteilt. Aus einer Vermutung wird eine Behauptung und aus dieser letzen Endes die unangezweifelte Wahrheit. Diese Ungerechtigkeit macht es für den Zuschauer unmöglich dem Film reglos zu folgen, da er über Lucas’ Unschuld seit Beginn im Klaren ist. Schritt für Schritt, wird Lucas weiter ausgegrenzt, er wird bedroht und Opfer physischer Übergriffe. Selbst sein bester Freund, der Vater des angeblich misshandelten Kindes, wendet sich, mehr oder weniger nachvollziehbar, gegen ihn. Eine besonders eindrückliche Szene ist die, in der die kleine Clara ihre Aussage zurückzieht, weil sie merkt, welche Wellen diese geschlagen hat, aber ihre eigene Mutter ihr einredet, es verdrängen zu wollen. Und so fängt das kleine Kind selber noch an, seine eigene Lüge zu glauben. Aber auch als die Staatsgewalt ein Verfahren oder weitere Untersuchung unnötig erachtet, da es keine stichhaltige Befundlage für solche Anschuldigungen gibt, wird Lucas weiter ausgegrenzt und angefeindet.

Es mag ein wenig inszeniert wirken, wie Lucas immer weiter in die Opferrolle gedrängt wird. Für den Zuschauer ist kaum möglich ihn nicht zu mögen, ihn nicht zu bemitleiden und nicht von der Ungerechtigkeit mitgerissen zu werden. Das war sicherlich so gewollt und ist vorhersehbar, aber entzieht der Geschichte weniger Realität, sondern lässt eher nach mehr unerwarteter Wendung wünschen. Andererseits sehnt sich der mitgerissene Betrachter nach Rache und Genugtuung, endlich soll die Wahrheit ans Licht kommen und die geblendete, aufgeheizte kleine Dorfgemeinschaft vor dem Resultat ihres unüberlegten Handelns stehen. Dem gebrochenen Mann, den sie ausgestoßen und vogelfrei gemacht hat, was ganz unabhängig von seiner Schuld schon bedenklich ist. Diese Erzählweise macht den Reiz des Filmes aus.

Eine erdrückende Geschichte die eine scharfe aber dennoch angebrachte Gesellschaftskritik nicht verbergen möchte, wenn sie zeigt, wie schnell Gesetze – Regeln und Strukturen – vergessen und selbstverständlich außer Kraft gesetzt werden. Es bleibt aber auch ein kleiner Zweifel daran, ob man so hart kritisieren darf. Kein Leben zu zerstören heißt nämlich sowohl den bisher NUR beschuldigten zu schützen, als auch das mögliche Opfer. Man kann es keinen Eltern verübeln, wenn sie trotz Unschuldsvermutung ihr Kind nicht dem Risiko aussetzen möchten. Das Verlangen von überlegtem und objektivem Handeln mag angebracht sein, sollte aber nicht zu fordernd ausgelegt werden. Ein gewisses Verständnis für Eltern und Betroffene ist unumgänglich, da man einer solchen Situation nur selten unberührt gegenübersteht.

Und auch wenn der Film an manchen stellen droht ins Vorhersehbare abzurutschen, wenn man glaubt, dass die unrealistischen Wünsche des Zuschauers noch erfüllt werden, schlägt die Handlung mit schonungsloser Wirklichkeit zurück, die auch nach dem Abspann noch zum nachdenken anregt.
8 Stars (8 / 10)

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